Zeit der Buße, Teil 4

 

Fortsetzung...

 

 

Kapitel 36

„Dir ist doch wohl klar, dass uns allen dieser Fall den Kopf kosten wird, oder, Candice?“

„Verdient hätten wir’s, Robert! Andererseits würde ich meinen Kopf ganz gerne auf den Schultern behalten, wenn sich das einrichten lässt!“

„Alleine die Tatsache, dass sich auf Deinen hübschen Schultern ein liebenswerter Kopf sitzt, dürfte kaum ausreichen, um der fressgierigen Presse den Appetit zu nehmen, Candice. Was uns jetzt noch im letzten Moment den Kopf retten kann, ist, wenn wir das Dreckschwein ganz schnell erwischen und seinen Kopf auf einem Silbertablett präsentieren. Wenn wir das nicht innerhalb der nächsten sieben Tage schaffen, sollten wir uns nach einem anderen Job umsehen.“

Candice Anne wusste, dass Robert Recht hatte. Zumindest Roberts Kopf und die Köpfe von Vernon und Craig würden rollen, aber sie selbst hatte auf gar keinen Fall vor, sich kopflos der Pressemeute zu ergeben.

„Wir brauchen Arthur hier, Robert. Und wenn Du mich fragen solltest, würde ich auch Jake Underbuck in die Ermittlungen einbeziehen wollen. Es muss einen Zusammenhang, eine Verbindung zwischen dem Cutter, Fendish und Underbuck geben. Verstehst Du, Robert? Was uns jetzt hilft, ist die Flucht nach vorne! Wir müssen die Presse einbeziehen, um Fendish und Underbuck von allem Verdacht freizusprechen. Die beiden müssen schnellstmöglich hier beim Yard mit uns zusammen arbeiten!“

Robert Lengly wusste, dass dies die einzige Chance war.

„Ich möchte, dass Du Vernon bittest, die Presse zu informieren, dass wir Morgen eine Erklärung abgeben möchten. Du, Vernon und ich selbst werden Heute Abend den Text gemeinsam ausarbeiten und Du, Candice, wirst mich bei der Pressekonferenz vertreten, okay? Ich selbst werde morgen früh Lyndon Fendish besuchen. Kann ich mich auf Dich verlassen, Candy?“

Robert schob sie damit den Wölfen zum Fraß vor. Andererseits konnte diese Pressekonferenz vielleicht ihre Chance sein, die bisherigen Misserfolge des Yard, oder besser gesagt, die Misserfolge des Robert Lengly, zur eigenen Profilierung zu nutzen. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.

„Äußerst ungern, Robert, aber ich weiß, wie sehr Du unter Druck stehst. Natürlich helfe ich Dir, so gut ich es kann. Versprochen!“

Kapitel 37

Jake Underbuck betrat das Zimmer, in dem Arthur Fendish die Nacht verbracht hatte. Der Mann, der zwanzig Jahre für Morde im Gefängnis saß, die er nicht begangen hatte, grinste, als er Fendish, nur mit Shorts bekleidet, sah.

„Sexy, Inspektor, wirklich sexy! Sagen Sie, wer hat denn die Shorts ausgesucht? Sie selbst? Also, wenn Sie mich fragen, stehen Ihnen diese kleinen bunten Disney-Figuren wirklich ausgezeichnet, Arthur...!“

Arthur Fendish hatte bereits begonnen, sich anzukleiden und er verspürte nicht die geringste Lust, Jake zu antworten, zumal tatsächlich er selbst es war, der sich die Shorts gekauft hatte. Statt also auf die Frage einzugehen, warf er Jake nur einen abschätzigen Blick zu und sagte dann:

„Ich habe mir das Band bereits angehört, Jake. Sie wissen, wer dieser Marvin O`Brian ist?“

Underbuck nickte.

„Und Sie wissen auch, dass dieser andere Mann, der Mann, der es auf Jane Kirkillian abgesehen hat, mit großer Wahrscheinlichkeit der Mann ist, den man den ‚Cutter‘ nennt?“

Wieder nickte Underbuck.

„Dann werden Sie, Jake, wohl auch schon wissen, was Mrs. Kirkillian passiert ist? Und? Ist sie tot?“

Jake Underbuck setzte sich auf einen Stuhl, der mit einem gefährlichen Knacken darauf hinwies, dass das Ende seiner Lebenserwartung nicht mehr lange auf sich warten ließ.

„Lengly und Ihre Mrs. Kirkillian waren in Ihrer Wohnung, Arthur. Der Cutter hatte offensichtlich vor, beide umzubringen, aber irgendwie ist da wohl eine Menge schiefgelaufen. Lengly und Kirkillian geht’s gut und der Cutter konnte flüchten. Ich habe Ihre Wohnung beobachtet und gesehen, wie ein Mann, der verdammt nochmal, Ihnen, Arthur, sehr ähnlich sah, fluchtartig aus dem Haus gestürzt ist. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Sie hier...“

Fendish unterbrach Underbuck.

„...mein Doppelgänger also?“

Wieder nickte Jake.

„Ihr Doppelgänger, ja! Natürlich wollte ich dem Kerl folgen, um herauszubekommen, mit wem wir’s zu tun haben, aber irgendwie hat’s dieses Schwein geschafft, sich dünne zu machen! Dann wimmelte es überall von Polizei und ich musste zusehen, wie ich Land gewinnen konnte, wenn Sie verstehen, Arthur!“

Arthur Fendish wollte zwar verstehen, verstand aber leider gar nichts!

Da gab es einen Kerl, der sich für ihn ausgab, der mordete und seine Spuren so legte, dass man ihn, Arthur Fendish, den echten Arthur Fendish, für den Cutter hielt. Aber wieso tat er das? Wieso versuchte er nicht einfach, Fendish abzuknallen? Gelegenheiten hätte es wahrscheinlich tausendmal gegeben, wenn er es denn gewollt hätte. Wollte er aber nicht. Stattdessen muss es seit Jahrzehnten einen unbändigen Rachedurst geben, der weit über ein einfachen ‚Abknallen‘ hinausging.  Fendish wandte sich wieder an Underbuck:

„Ich verstehe gar nichts, Jake! Was soll der ganze Mummenschanz? Und welche Rolle spielen Sie dabei? Garantiert gibt es einen ganzen Haufen Krimineller, die ich hinter Gitter gebracht habe, die mich umbringen möchten, aber das, was hier abläuft, ist absolut unbegreiflich, oder?“

Jake machte ein nachdenkliches Gesicht, fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und hob eine Augenbraue, als er antwortete:

„Ich glaube nicht, dass es einer Ihrer alten Bekannten ist, die Sie eingelocht haben. Es muss da einen anderen, tieferen und vielleicht noch nicht einmal direkten Zusammenhang mit Ihnen geben, der zum einen lange zurückliegt und zum anderen auch irgendwie mit mir zu tun hat. Das, was damals, ich schätze, so vor fünfundzwanzig bis dreißig Jahren, geschehen ist, muss für Ihren Doppelgänger so einschneidend gewesen sein, dass er bereit ist, für seine Rache zum Serienmörder zu werden. Bleibt also die Frage an Sie, Arthur:

Was ist damals geschehen, dass jemand Sie so sehr hasst?“

Fendish hatte sich nun fertig angekleidet und sah nun wieder so akkurat aus, wie man es vom Inspektor gewohnt war. Underbuck sah ihn von oben nach unten musternd an und sagte:

„Wenn ich nicht hundertprozentig wüsste, dass Sie’s sind, könnte ich schwören...“

„Ich habe keinen Zwillingsbruder, ich kenne niemanden, der mir zum Verwechseln ähnlich sieht und auch, was meine Vergangenheit angeht, habe ich mir bereits das Hirn gemartert. Ergebnis? Kein Ergebnis! Absolute Ratlosigkeit, Jake. Mein Leben war stinknormal, soweit man das für das Leben eines Inspektors von Scotland Yard behaupten kann. Und was mich auch vollkommen irritiert, ist der Umstand, dass Sie, den ich selbst festgenommen habe, ebenso wie ich Ziel des Cutters sind. Völlig irre, das Ganze, Jake!“

Underbuck stand von dem Stuhl auf und wanderte nun im Zimmer auf und ab. Abigail, die sich schnell an ihre neue Umgebung gewöhnt zu haben schien, saß indes unter dem Couchtisch und spielte mit einer kleinen Stoffmaus, die Jake ihr mitgebracht hatte.

Offenbar gab es einen Aspekt in Jakes Überlegungen, bei dem er sich nicht sicher war, ob er ihn Fendish mitteilen sollte. Dann holte Jake plötzlich tief Luft, ließ die Atemluft mit einem schweren Seufzer wieder herausströmen, um erneut tief Luft zu holen, als gälte es, Antworten auf alle Fragen zu inhalieren.

„Erzählen Sie mir etwas von Ihrem Vater, Arthur!“ sagte Jake an Fendish gerichtet, der ihn daraufhin verstört ansah.

Kapitel 38

Gott, wie er diesen Scheiß hasste!

Entgegen seiner üblichen Vorgehensweise warf der Mann Mantel, Jackett, Hose, Hemd und Krawatte achtlos aufs Bett, nachdem er sich dieser ungeliebten, aber nötigen Utensilien seines Planes entledigt hatte. Die auf Hochglanz polierten Lloyd-Schuhe flogen mit mindestens gleicher Verachtung durchs Zimmer und landeten irgendwo unter einem Schrank und gesellten sich zu all dem Dreck, der sich im Laufe der Jahre angesammelt hatte.

„Dieser ganze Mist hat mal eben Eintausend Pfund gekostet, Arschloch! Schon deshalb sollte ich Dich fertigmachen, Du arrogantes Stück Scheiße!“ murmelte der Mann und schlüpfte in einen abgerissen aussehenden Trainingsanzug, dessen Preis vor Ewigkeiten kaum mehr als ein paar Pfund betragen haben dürfte.

Dass er Marvin beseitigt hatte, war zwingend nötig gewesen, aber dieser konsequente Schritt bedeutete leider auch, dass seine bisher stets zuverlässige Informationsquelle beim Yard ein für alle Male versiegt war. In Zukunft würde es nun darauf ankommen, so zu agieren, dass er die Vorgehensweise Lenglys und auch die Reaktionen von Fendish rechtzeitig vorhersah und dementsprechend handelte.

Nachdem Lengly und diese alte Krähe tausend Eide schwören würden, dass es Fendish war, der sie beide angegriffen hatte, musste man beim Yard die Öffentlichkeit informieren. Spätestens Morgen würden alle Zeitungen im Land die Fresse vom ehemaligen Super-Inspektor Arthur Fendish abdrucken und ihn als Cutter präsentieren, der mittlerweile vierzehn Morde zu verantworten hatte.

‚Wolf im Schafspelz‘ werden sie ihn nennen. Nur die Götter wussten, welche Bezeichnungen den Schreiberlingen noch einfallen würden, um einen Mann zu beschreiben, gegen den der Leibhaftige selbst wie ein Waisenknabe aussah.

Der Mann, dessen Aussehen nichts mehr mit der Eleganz des Inspektors gemein hatte, schlurfte mit schweren Schritten zu seinem Bett. Die Bettfedern quietschten und kleine Staubwolken stiegen hoch. Gewohnheitsmäßig griff der Mann zur ungewöhnlich großen Fernbedienung eines Fernsehers, der zu den ersten produzierten Farbfernsehern gehören musste.

„Bis Morgen schlafen...!“ dachte sich der Mann, während er auf einen Knopf der Fernbedienung drückte, um durch das Gequatsche irgendeiner belanglosen Dokumentation besser einschlafen zu können. BBC News. Auch okay, wenn man zum Sterben müde war.

„...informierte eine Sprecherin von Scotland Yard. Sie führte aus, dass sich die bisherigen Ermittlungen zu mittlerweile elf Morden, die im Großraum London begangen wurden, sowie Ermittlungen, die bereits zweieinhalb Jahrzehnte zurückliegen, auf eine neue Spur konzentrieren. Eine Person, die vor über zwanzig Jahren für zwei dieser Morde zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde und nach der Entlassung erneut als Verdächtiger infrage kam, gilt mittlerweile nicht mehr als tatverdächtig. Candice Anne Miller, die in Vertretung von Chief-Inspektor Robert Lengly die Pressekonferenz leitete, führte weiter aus, dass auch ein ehemaliger Mitarbeiter von Scotland Yard, der zum Kreis der Verdächtigen zählte, als sogenannter ‚Cutter‘ ausgeschlossen werden kann!“

„Ihr verfluchten Schweine!“

Der Schrei des Mannes hallte durch die Räume des Hauses und mit ungläubigem Gesicht starrte er auf das unscharfe Bild des Fernsehers, das mittlerweile einen Werbespot für Damenbinden zeigte.

Kapitel 39

„Mein Vater?“ fragte Fendish Jake Underbuck. „Was, in Gottes Namen, hat denn mein Vater mit all dem zu tun? Und überhaupt: Woher wissen Sie von meinem Vater? Wenn ihm irgendetwas zugestoßen ist, sollten Sie’s mir ganz schnell erzählen, bevor ich meine Meinung über Sie doch noch revidiere, Jake!“

Underbuck nestelte verlegen am Stoff seiner Hose und vermied es, Fendish direkt anzusehen. Es dauerte ein paar Sekunden, bis er schließlich doch direkten Blickkontakt zu seinem Gegenüber suchte und Arthur Fendish erkannte in den Augen Underbucks eine Unsicherheit, die so gar nicht zu Jake passte.

„Soweit ich weiß, geht’s Ihrem alten Herrn gut, Arthur. Trotz seiner einundneunzig Jahre wirkt er auf mich, als wäre er guter Dinge, das zweite Jahrhundert in Angriff nehmen zu wollen. Abgesehen von ein paar altersbedingten Wehwehchen ist er körperlich gut drauf und auch sein Verstand arbeitet noch immer präzise, wie der Verstand seines Sohnes!“

Fendish, der auf der Bettcouch gesessen hatte, stand nun auf und ging so dicht auf Underbuck zu, dass er das Aroma eines Pfefferminz-Kaugummis in Jakes Atem riechen konnte.

„Noch einmal, Jake: Woher wissen Sie von meinem Vater und aus welchem unerfindlichen Grund haben Sie ihn besucht? Und, Jake...?“

Underbuck war keinen Millimeter zurückgewichen und er hielt dem bohrenden Blick des Inspektors stand.

„Ja, Fendish?“

Nun passte nicht einmal mehr ein Blatt Papier zwischen die Gesichter der beiden Männer, als Fendish seinen Satz vervollständigte:

„Jake, Sie werden mir bitte keinen Scheiß erzählen, okay? Um zu erfahren, wie es meinem Vater geht, brauche ich Sie wirklich nicht. Also sagen Sie mir die Wahrheit, Underbuck!“

Jetzt wich Underbuck zwei Schritte zurück, ohne aber den Blick von Fendish abzuwenden. Er setzte sich wieder auf den altersschwachen Stuhl und sagte:

„Kann sein, Fendish, dass Sie die Antwort gar nicht hören möchten. Ich bin mir nämlich nicht ganz sicher, was das tatsächliche Verhältnis zwischen Ihnen beiden angeht. Kann es vielleicht sein, dass Ihr Vater Ihnen seit über zwanzig Jahren jeglichen Kontakt zu ihm verboten hat? Im Pflegeheim meinte man zumindest, dass Lyndon Fendish schon seit ein paar Jahren keinen Besuch mehr empfangen hat. Und als ich wissen wollte, ob Ihr Vater ab und an etwas von seinem Sohn erzählen würde, war man dort vollkommen überrascht, das Lyndon Fendish einen Sohn haben soll...!“

Fendishs Stimme bekam einen anderen, einen vollkommen anderen Ton, als er sagte:

„Das alles geht Sie nichts an, Underbuck! Was zwischen mir und meinem Vater geschehen ist, hat Sie und wen auch immer, nicht zu interessieren! Sie sind mir allerdings noch die Antworten auf meine Fragen schuldig: Woher wissen Sie von ihm und wieso haben Sie ihn besucht?“

„Woher? Nun, ich weiß es von Linus Pimbrooke. Und besucht habe ich Ihren Vater, weil dieser Mr. Pimbrooke mich darum gebeten hat, Fendish!“

Die Antworten schienen Arthur Fendish keineswegs zu befriedigen, denn weiterhin klang seine Stimme wie ein drohendes Unheil, das ein Opfer suchte.

„Pimbrooke? Kenne ich nicht! Und wieso bittet Sie dieser Typ darum, meinen Vater zu besuchen? Muss ich Ihnen eigentlich jede Informationen wie zähen Popel aus der Nase ziehen, Underbuck?“

Offenbar stellte sich Underbuck das Szenario vor, in dem Fendish die Prozedur mit dem zähen Popel wahr machte. Zum ersten Mal seit Beginn der Unterhaltung lächelte er und meinte dann:

„Sie kennen diesen Pimbrooke wirklich nicht, oder? Linus Pimbrooke, der Inhaber eines winzigen Pubs in der Borough High Street. Das kleine Schmuckstück heißt ‚Pimbrooks Corner‘ und existiert angeblich seit 1542! Ist so eine Art Szene-Pub, in dem sich vorwiegend gut situierte Leute und Intellektuelle treffen, um sich gegenseitig Tipps zu geben, wie man aus viel Geld ganz viel Geld machen kann. Linus Pimbrooke selbst ist mindestens achtzig Jahre alt, trägt voller Stolz eine schneeweiße endlos lange Mähne und einen ebenso weißen langen Bart, was ihn so aussehen lässt, wie sich kleine Kinder den lieben Gott vorstellen. Oder besser noch: er sieht aus wie Professor Dumbledore! Es soll ein paar Leute geben, die behaupten, dass Pimbrooke schon gelebt hat, als der Pub eröffnet wurde…!“

„Ich kenne keinen Professor Dumbledore und mit Gott hatte ich auch noch nicht das Vergnügen, zumindest nicht persönlich, Underbuck! Und? Ich warte noch auf eine Erklärung!“

Jake merkte selbst, dass er angefangen hatte, überflüssiges Zeug zu quatschen, weil er absolut keine Lust hatte, die Antworten zu geben, die Fendish einforderte.

„Linus Pimbrooke und Ihr Vater waren einmal sehr gut befreundet. Und wissen Sie was, Arthur?“

Der krampfhafte Versuch Underbucks, um den heißen Brei herumzureden, gefiel Fendish ganz und gar nicht. Er hasste es, wenn man nicht zielstrebig auf den Punkt kam und wenn man mit einer einfachen Antwort herumeierte, als ginge es darum, die Quantentheorie einem Dreijährigen erklären zu müssen.

„WAS SOLL ICH WISSEN, UNDERBUCK?“

„Sie sollen wissen, dass der weißhaarige Pimbrooke Ihnen das alles selbst erklären sollte. Abgesehen davon, dass Ihnen der Pub garantiert gefallen wird, können Sie auf diese Art und Weise einen alten Freund ihres Vaters kennenlernen, oder?“

„Wenn ich nicht der deutlich Ältere von uns beiden wäre und wenn ich nicht die Manieren hätte, die ich nun mal habe, würde ich Sie jetzt windelweich prügeln, Jake! Offenbar wollen Sie austesten, wann ich diese Manieren und mein Alter einfach vergesse und auf Sie losstürze, oder?“

Underbuck sah Fendish nun mit ernstem Blick an.

„Wir sollten wirklich losfahren, Arthur!“

„Haben Sie nicht etwas vergessen, Jake? Kann es sein, dass ich wegen einem knappen Dutzend Morde von meinen ehemaligen Kollegen gesucht werde? Und wie, bitteschön, stellen Sie sich unter diesen Umständen einen netten kleinen Kneipenbesuch vor, hm?“

Underbuck zuckte zusammen, als er begriff, dass er etwas Wichtiges vergessen hatte, zu erwähnen:

„Ach, das hatte ich tatsächlich vergessen, zu erwähnen, Fendish: Sie werden nicht mehr gesucht, zumindest nicht mehr als Verdächtiger im Fall ’Cutter’! Ich hab’s heute früh in den Nachrichten gehört; aber vielleicht erkläre ich Ihnen das alles auf dem Weg ins Pimbrooke Corner, okay?“

Auch, wenn es Fendish nicht passte, er würde jetzt nicht mehr aus Underbuck herausholen können. Vielleicht war es auch wirklich besser, diesen ominösen Linus Pimbrooke aufzusuchen, der offenbar etwas zu berichten hatte, das bei der Suche nach dem echten Cutter hilfreich sein konnte. Zumindest aber würde Arthur Fendish etwas über seinen Vater hören, wenngleich er, wie es Underbuck bereits angedeutet hatte, nicht sicher war, ob er es überhaupt hören wollte.

Fendish brauchte fast eine volle Stunde, um sich im Bad fertig zu machen. Als er schließlich das Bad verließ, folgte ihm eine intensive Duftwolke, die Jake Underbuck mit einem missfälligen Naserümpfen kommentierte.

„Hat bestimmt viel Geld gekostet und stinkt trotzdem wie das billige Rasierwasser eines Gelegenheitsluden, bester Arthur!“ platzte es aus Jake heraus, der sich nun auch noch demonstrativ die Nase zuhielt.

„Nun, Jake, ich nehme an, es ist tatsächlich das billige Rasierwasser eines Gelegenheitsluden, denn das Zeug war ja schon hier, bevor ich kam. Und? Ist das vorher Ihr Zimmer gewesen, bester Jake...?“

Hinter einem Vorhang versteckt, hatte Fendish am Abend zuvor ein altes Bügeleisen gefunden, mit dem er noch kurz vorm Einschlafen sein Jackett und das Hemd aufgebügelt und der Hose wieder eine einigermaßen akzeptable Bügelfalte beschert hatte. Nun, in gewohnt adretter Manier und hinter sich die Wolke aus billigem Rasierwasser herziehend, machten sich Fendish und Underbuck auf den Weg ins ‚Pimbrooke Corner‘, um dort mit Linus Pimbrooke zu plaudern.

„Und es stimmt tatsächlich, Jake? Ich werde nicht mehr verdächtigt?“

„Das haben sie in der Pressekonferenz gesagt, Arthur!“

„Man wird mich also nicht abknallen, sobald ich mich auf die Straße traue?“

„Wenn Sie nicht etwas anderes verbockt haben, wegen dem man Sie abknallen möchte, dann werden Sie wohl am Leben bleiben. Vorerst!“

„Und Sie wollen mich nun mit Ihrem Wagen zu diesem Pimcake fahren, ja?“

„Pimbrooke, ja. Natürlich mit meinem Wagen, oder haben Sie hier irgendwo Ihre Karre versteckt, Arthur?“

„Sie wissen wohl nicht, welchen Wagen ich fahre, oder?“

„Nein, keine Ahnung. Ich wusste ja noch nicht einmal, dass Sie überhaupt einen Wagen besitzen, Fendish!“

„Oh, ja, ich besitze einen Wagen. Einen deutschen Wagen! Hat mich mal ´ne Stange Geld gekostet, dieser herrlich zuverlässige Mercedes 250/S. Ist fast vierzig Jahre alt und schnurrt noch genauso wie...“

Wie hatte ihm das bloß passieren können?

„Wir müssen noch einmal ins Zimmer gehen, Jake!“

„Irgendwas vergessen?“

„Ja, und zwar habe ich jemanden vergessen, der mir niemals verzeihen würde, wenn ich ihn jetzt tatsächlich zurücklassen würde! Es macht Ihnen doch nichts aus, wenn Abigail uns begleitet, oder, Jake?“

Underbuck schüttelte zwar verständnislos den Kopf, aber Fendish wusste sehr wohl, dass Jake volles Verständnis für diese kleine Zeitverzögerung hatte, denn immerhin war es ja Underbuck, der überhaupt dafür gesorgt hatte, dass Abigail nicht weiß der Geier wo, gelandet war.

Mit jeder Treppenstufe, die sie wieder zur Wohnung hochstiegen, machte sich das Rheuma von Fendish schmerzhaft bemerkbar, aber er war sich ganz sicher, dass die gute alte Katzendame ihn liebevoll tröstend umschmeicheln würde, sobald sie begriff, dass sie nun doch nicht zurückgelassen wurde.

„Ist’s okay, wenn ich Ihnen, sobald dieser Cutter-Arsch gefasst wurde, dass Sie eine komplette Innenreinigung für meinen Wagen übernehmen, Arthur? Ist zwar kein uralter Mercedes, den ich fahre, aber trotzdem ist’s eine Schweinearbeit, die schwarzen Sitze von meinem rostigen Nissan von Bergen von weißen Katzenhaaren zu befreien!“  

„Darüber reden wir später, Jake.“ Underbuck öffnete die Wohnungstür und musste breit grinsen, als er die betagte Katzendame sah, die irgendwie ein rundum glücklichen Eindruck vermittelte, während sie keineswegs mit vollem Karacho, sondern mit der majestätischen Gelassenheit einer Königin, auf ihren Untertan zu flanierte.

Kurz danach saß Fendish auf dem Beifahrersitz, Underbuck am schmuddelig aussehenden lederumwickelten Lenkrad und Königin Abigail aalte sich auf einer Felldecke auf dem Rücksitz. Underbuck startete den Nissan, eine gewaltige Qualm-Wolke verließ mit ohrenbetäubendem Krach den Auspuff und dann setzte sich der alte Wagen in Bewegung.

„Ich kann’s immer noch nicht fassen, Fendish, das Sie den Pub nicht kennen. Ich dachte mir eigentlich, so ein Laden wäre für einen smarten Inspektor beim Yard so was wie ein zweites Wohnzimmer. Habe mich wohl geirrt, nicht wahr?“

Arthur Fendish musste laut reden, weil das Motorgeräusch des Nissans ansonsten jedes Wort verschluckt hätte.

„Das letzte Mal, das ich privat einen Pub aufgesucht habe, liegt mindestens zehn Jahre zurück, Jake. Nur, weil ich es mag, mich geschmackvoll zu kleiden, muss ich ja noch lange kein Alkoholiker sein, oder?“

Underbuck grinste. „Es soll Leute geben, die ab und an in einen Pub gehen, ohne sich gleich volllaufen zu lassen, Arthur. Wie ein Alkoholjunkie sehen Sie nämlich gar nicht aus. Ich dachte nur, dass ein Inspektor jede Kneipe in der Stadt kennt. Rein beruflich, meine ich!“

„Und nun wissen Sie, dass Sie falsch liegen, okay? Und? Was meinen Sie, wie lange wir noch brauchen, bis wir zu diesem Schuppen kommen, Jake?“

Die Southwark Street war zu dieser Zeit hoffnungslos verstopft, unzählige Touristenbusse, Taxen und grimmig dreinblickende Pendler, die es eilig hatten, zur Arbeit zu kommen, quälten sich im Schritttempo vorwärts und so wie es aussah, würden Underbuck und Fendish die letzten fünfhundert Meter bis zum Pub mindestens noch eine halbe Stunde benötigen.   

„An der Kings Head Yard biegen wir rechts ab und dann suchen wir uns einen Parkplatz, Arthur. Wir können natürlich auch einfach hier aus dem Wagen steigen, lassen die Karre hier stehen und Sie kaufen mir ein vernünftiges Auto! Die Innenreinigung ist auch nicht viel preiswerter…!“

Fendish ging nicht auf den Seitenhieb ein, denn ein Blick auf den Rücksitz zeigte ihm, dass Abigail ganz friedlich schlummerte und gar nicht daran dachte, sich übermäßig viel auf dem schmuddeligen Polster zu bewegen.

Tatsächlich schafften sie es innerhalb einer Viertelstunde, die Southwark zu verlassen, fuhren von der Kings Head in eine kleine Seitenstraße und, was wirklich einem Wunder glich, fanden sogar ganz in der Nähe des Pubs einen Parkplatz. Dankbar, endlich erlöst zu sein, spuckte der Auspuff ein letztes Mal weißen Qualm in die Luft und mit einem Ruckeln erstarb der Motor.

Jake Underbuck zeigte mit der rechten Hand auf ein von außen unheimlich klein wirkendes Haus, dem man nicht ansah, dass es auf drei Etagen verteilt, bis zu hundertfünfzig Gästen Platz bot. Offenbar frisch in strahlendem Weiß lackierte Balustraden hoben sich von der schwarzen Außenwand ab, in der winzig kleine Sprossenfenster dafür sorgten, dass die Gäste Gelegenheit fanden, von den Fensterplätzen aus die wenig einladende Tristesse der Umgebung zu betrachten.

Underbuck, mit einer zu weiten, um seine Beine schlotternde Hose und einer eng sitzenden Bomberjacke bekleidet, wirkte neben dem wie immer elegant aussehenden Fendish etwas deplatziert, als sie das Pimbrooke Corner betraten. Hinter der Eingangstür gab es noch einen dicken Vorhang, der offenbar Gäste vor Zugluft schützen sollte, der aber, das fiel Fendish sofort auf, so muffig roch, dass er sich darin bestätigt sah, derartige Etablissements nicht regelmäßig aufzusuchen.

Ganz anders als sein erster Eindruck war dann Bild, das er vom Inneren des Pubs gewann: Die Luft im Pub roch überraschend frisch, die gesamte Eirichtung aus rötlich schimmerndem Teakholz wirkte edel und alle Stühle und Sessel, die mit dunkelgrünem Leder bezogen waren, rundeten das ansprechende Interieur positiv ab.

„Gar nicht mal so übel, Jake…!“ sagte Fendish zu Jake, der diesen Pub schon kannte und deshalb weniger beeindruckt war. Stattdessen nickte er nur höflich zustimmend und meinte dann: „Wir scheinen die ersten Gäste zu sein, Arthur! Ich nehme an, dass der alte Linus Pimbrooke jeden Augenblick…“

Der weißhaarige Linus Pimbrooke tauchte nicht auf. Stattdessen hörten die beiden Männer plötzlich aus dem hinteren Teil des Pubs einen lauten kehligen Schrei, irgendetwas krachte mit dumpfem Knall zu Boden und zwei Schüsse beendeten alle Hoffnungen Fendishs und Underbucks auf ein Gespräch mit Pimbrooke.

„Raus hier, schnell!“ schrie Underbuck Fendish zu, der sich, einem Instinkt folgend, sofort in Richtung der Schüsse bewegen wollte. „Kommen Sie schon, Arthur!“ brüllte Jake und zog Fendish mit aller Kraft zum Ausgang.

Linus Pimbrooke brauchte keine Hilfe mehr. Zwei gezielte Schüsse, wie bei einer Hinrichtung, hatten seinen Schädel zerschmettert und dem langen Leben ein abruptes gewaltsames Ende bereitet. Der Mann, der die Schüsse abgefeuert hatte, verließ in der Sekunde, als Fendish und Underbuck zur vorderen Eingangstür rausstürmten, den Pub durch die Hintertür und verschwand ungesehen auf dem gleichen Weg, auf dem er zuvor gekommen war.

„Wir sind noch lange nicht miteinander fertig, Arschloch…!“ schnaufte der Mörder Pimbrooks, während Arthur Fendish schwer atmend versuchte, mit Jake Underbuck Schritt zu halten.          

Kapitel 40

Candice Anne Miller war mehr als nur zufrieden mit sich selbst.

Die Pressekonferenz, bei der sie Robert Lengly, den Chief-Inspektor von Scotland Yard vertrat, hatte sie mit Bravour gemeistert. Einerseits verlas sie zwar den gemeinsam mit ihren Kollegen und Lengly abgesprochenen Pressetext, aber andererseits betonte sie manche Passagen so, dass das Glas Wasser eben nicht halb voll,  sondern halb leer war. Die Mimik, ihre immer wieder unsicher in die Pressemeute geworfenen Blicke und auch ihre Sprache verrieten eindeutig, dass beim Yard ein konfuses Durcheinander und Ratlosigkeit in Sachen Ermittlungsergebnisse im Fall ‚Cutter‘ herrschte.

Die Psychologin und Profilerin wusste sehr wohl, wie sie mit den Erwartungshaltungen der Pressevertreter umgehen musste, um sie möglichst gar nicht, oder aber nur bröckchenweise zu befriedigen. So ließ Candice Anne Miller auch nur Fragen von jenen Zeitungen, Nachrichtenmagazinen und  Rundfunk- und Fernsehsendern zu, bei denen sie sich relativ sicher war, ihre Ziele wunschgemäß präsentiert zu bekommen.

Channel 4, BBC World, The Sun und natürlich auch dem Guardian, sowie einigen ausländischen Reportern beantwortete sie brav alle Fragen und hin und wieder streute sie in ihren Antworten mit verlegener Mine ein, dass hierzu nur der Chief-Inspektor persönlich Stellung nehmen könne, wofür sie ausdrücklich um Verständnis bat.

Claire Below-Harper, BBC World:

„Miss Miller, können Sie den Menschen in London und im ganzen Land mitteilen, ob Ihre Ermittlungen, nach den letzten Misserfolgen, endlich in die richtige Richtung gehen? Niemand in der Stadt kann sich noch sicher fühlen!“

Antwort:

„Wir alle verstehen die Sorgen der Menschen und versichern Ihnen, dass wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um möglichst bald erste Erfolge vorweisen zu können, Miss Below-Harper!“

Übersetzt und für alle Medienvertreter eindeutig herauszuhören hieß das im Klartext, dass man wie blind im Dunkeln tappte und irgendwie auf Kommissar Zufall hoffte, weil es nicht den geringsten Hinweis auf den tatsächlichen Cutter gab.

Sandra Wright, Capital Radio:

„Uns liegen Informationen vor, dass zwischenzeitig sogar gegen den ehemaligen Inspektor des Yard, Arthur Fendish, ermittelt wurde. Können Sie bestätigen, dass auch dieser Verdacht mittlerweile wie eine Seifenblase zerplatzt ist, Miss Miller?“

Antwort:

„Nun, Miss Wright, tatsächlich hat der Chief-Inspektor gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des Yard Ermittlungen eingeleitet, die aber inzwischen eingestellt wurden. Der ehemalige Mitarbeiter des Yard ist nicht mehr verdächtig, nachdem ein Dossier meiner Abteilung und andere Hinweise eindeutig dessen Unschuld nachweisen konnten!“

Wie einfach es doch war, mit den Medien zu spielen. Candice Anne Miller, die Frau, in die Robert Lengly schon seit Jahren unsterblich verknallt war, hätte jeden Penny ihres Vermögens darauf verwettet. Anderntags genau das zu lesen und zu hören, was sie auch lesen und hören wollte! Wie die Wölfe würden sich alle auf den armen Robert stürzen und es tat Candice auch ehrlich leid; jedoch war sie einfach nicht der Typ, der sich aus Solidarität oder übertriebener Freundschaft das Fell über die Ohren ziehen ließ. Jeder muss selbst zusehen, wie er in seinem Leben zurechtkommt. So war das nun mal und so würde es auch bleiben, wenn ein paar Posten beim Yard neu besetzt werden mussten…

Peter Hampton, The Sun:

„Es gibt Stimmungen, die besagen, dass Chief-Inspektor Lengly mit den Ermittlungen überfordert ist. Was können Sie dazu sagen, Miss Miller?“

Antwort:

„Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Die offizielle Pressemitteilung liegt am Ausgang druckfrisch für Sie bereit. Der Chief-Inspektor wird Sie alle informieren, sobald es neue Entwicklungen geben sollte!“

GEBEN SOLLTE. Bewusst hatte sie nicht ‚geben wird‘ gesagt und damit zum Abschluss nochmals den hilflosen Status der Ermittlungen betont, ohne es ausgesprochen zu haben. Dass sie auf die letzte Frage von Peter Hampton nicht eingegangen war, würden er und seine Kolleginnen und Kollegen garantiert richtig einschätzen können.  

Alexander Strong

 

Sie war intelligent genug, sich vorstellen zu können, wie man beim Yard auf ihre Aussagen reagierte. Allen voran würde Robert Lengly sie sofort durchschauen, denn obwohl er Candy als Mitarbeiterin und besonders als Frau schätzte, konnte er gar nicht so blind und taub sein, ihren Frontalangriff nicht zu bemerken. Folglich stellte sich die Psychologin darauf ein, nicht gerade auf einen bestgelaunten Chef zu treffen, als sie am Morgen nach der Pressekonferenz, mit den neuesten Zeitungen unterm Arm, an der Tür zu Robert Lenglys Büro klopfte.

Das ‚Herein‘ gehörte allerdings nicht zu Robert, es klang zu smart, zu falsch und irgendwie auch wie ein Messer, das nur darauf wartete, in Candys Brust gestoßen zu werden. Candice Anne Miller wurde unsicher. Sie glaubte, die Stimme hinter der Tür zwar zu kennen, aber gleichzeitig verspürte sie nicht die geringste Lust, dem Mann, dem die Stimme gehörte, zu begegnen.

„HEREIN!“

Es half nichts, sie holte noch einmal tief Luft und öffnete dann die Tür zu Lenglys Büro. Was konnte ihr schon passieren? Robert war in sie verknallt, er würde schon nichts Voreiliges gegen sie unternehmen. Und der, der sie hereinrief, würde auch nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Oder etwa doch…?

„Kommen Sie näher, Miss Miller, der Chief-Inspektor ist noch beim Lord Mayor und hat mich angewiesen, ein wenig mit Ihnen zu plaudern!“

Alexander Strong, der persönliche Berater und Medienbeauftragte des Lord Mayors! Der allseits gehasste, weil aalglatte und undurchsichtige, aber auch hochintelligente blondeste Teufel, den London zu bieten hatte, saß in typisch lässiger Pose an Lenglys Schreibtisch und machte sich nicht einmal die Mühe, so zu tun, als wäre er mit irgendeiner wichtigen Angelegenheit beschäftigt. Ganz im Gegenteil! Auf den ersten Blick erkannte Candice, dass er den Augenblick sichtlich genoss, die Psychologin im Auftrag Lenglys, weichzukochen.

„Hallo, Mr. Strong! Wie schön, Sie zu sehen, aber Ich möchte Sie wirklich nicht stören. Wenn Robert wieder zurück ist, kann ich ja nochmal vorbeischauen…!“

Schon sein Tonfall war eine bewusste Provokation. Wie ein satter Kater saß er da, der die Maus vor ihm nicht aus Hunger fraß, sondern ihr aus reinem Spaß am Töten noch ein paar Minuten Angst bereitete. Ganz bewusst hatte sie von ‚Robert‘ gesprochen, um vielleicht durch diesen Hinweis auf ihren guten Kontakt zum Chief-Inspektor, die Katze etwas hinzuhalten, bevor die Maus dann doch gefressen wurde.

„Nehmen Sie Platz, Miss Miller!“

Das war keine freundliche Bitte, das war eine Aufforderung, der man nicht zu widersprechen hatte.

„Der Lord Mayor schätzt es sehr, wie Sie sich im Fall ‚Cutter‘ engagieren, Miss Miller. Er lässt ihnen ausrichten, dass Ihre Show bei der gestrigen Pressekonferenz fast schon politische Züge beinhaltete, wenn Sie verstehen, was ich meine.“

Genau so war er, der schleimige Blondschopf. Nie wusste man genau, ob das, was er sagte, ernst gemeint oder ironisch zu verstehen war. Candice entschied sich, ohne viel Umschweife zum Gegenangriff überzugehen:

„Ich bin davon überzeugt, Sir, dass niemand im ganzen Land mehr von dieser Art Politik versteht, wie Sie. Also danke ich für dieses Kompliment!“

 

...

 

Soweit, SoHEID, erst einmal. Bitte melden Sie sich, wenn Ihnen die Geschichte gefällt und Sie mehr erfahren möchten. Es freut mich wirklich sehr, dass Sie 'Zeit der Buße' bis hierher gelesen haben.

 

Beste Grüße und nochmals Vielen Dank!

Klaus-D.Heid


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